Wort zu Ostern 2020

Liebe Gemeindemitglieder,

mit dem Palmgottesdienst am verganengen Sonntag treten wir ein in die heilige Karwoche, in der wir die Einsetzung des Abendmahles am Gründonnerstag in Erinnerung rufen, des Leidens und Sterbens Jesu am Karfreitag gedenken und die Auferstehung des Herrn in der Osternacht festlich feiern. In diesem Jahr 2020 muss Ostern als das höchste Fest des Christentums aufgrund der Coronakrise anders gefeiert werden, nämlich zu Hause allein oder mit den Familieangehörigen. Alle öffentliche Feiern und Gottesdienste sind vorerst bis 19. April abgesagt, die Kirchen sind aber geöffnet, wo Gläubigen zum persönlichen Gebet hingehen können und dürfen. Es ist für viele Christen eine „schmerzliche Erfahrung“ und eine einmalige Situation in der Geschichte des Christentums. Es ist aber wegen Ansteckungsgefahr vor dem neuartigen Covid 19 wohl vernünftig und richtig.

Die heilige Karwoche und Ostern zu Hause feiern, wie soll das gehen? Gerne möchte ich auf die Möglichkeit der Mitfeier per Live-Stream übers Internet und über Fernsehen und Radios hinweisen und es liegen in den Kirchen Material, Vorschläge für einen Hausgottesdienst. Wenn jemand das Geistliche möchte, der kann es überall finden.

Ostern zu Hause feiern und nicht in der Kirche kann uns vielleicht auch eine andere Sichtweise und neue Erfahrung schenken. Ich denke an eine Geschichte von einer Lehrerin, die an einem Wandertag unterwegs spontan Religionsstunde hält und dabei neue Erkenntnis gewinnen durfte: die Lehrerin mit ihrer Klasse kamen zu einem Feldkreuz, weit vor dem Dorf. Das Kreuz trug am Fuß eine eiserne Tafel, von Wind und Regen und Frost zerfressen. Auf der Tafel war gerade noch zu lesen: "Wer an mich glaubt, der wird ... " und dann nur noch ein "l"; alles andere war unkenntlich geworden. "Wer an mich glaubt, der wird ..., was mag da wohl gestanden haben?", fragte die Lehrerin ihre Klasse. Schnell waren die Finger oben. Der beste Sportler aus der Klasse hatte keine Zweifel: "Wer an mich glaubt, der wird laufen." Ein anderes Kind, von dem die Lehrerin wusste, dass sein Vater schwer krank ist und im Bett lag, sagte mit leiser Stimme: "Wer an mich glaubt, der wird leiden." Und ein Schüler, der vor Gesundheit und Lebensmut strotzte, sagte laut: "Wer an mich glaubt, der wird lachen!". Eigentlich wollte er nur die anderen zum Lachen bringen. Im Verlauf der kleinen improvisierten Religionsstunde kamen noch viele Antworten. Und die Lehrerin gab schließlich die Auflösung des geheimnisvollen Textes: "Wer an mich glaubt, der wird leben."  (Joh 11,25). Für die Lehrerin ist auf einmal klar: Glauben hat mit Laufen, Leiden, Lachen und Leben zu tun. Die Überlegung zu den Antworten der Schüler kann uns den Sinn vom Glauben und Ostern erschließen.

- Wer an mich glaubt, der wird laufen, ist die Antwort des Schülers auch doch was für uns. Wie oft sind wir träge und beharrend. Wie oft scheuen wir den Aufbruch zu neuen Ufern. Wie oft sagen wir: das haben wir immer so gemacht. Ein Glaubender muss laufen, nicht sitzen! "Lauft bis an die Grenzen der Erde und bringt allen die Frohe Botschaft". 

- Wer an mich glaubt, der wird leiden, lautet die Aussage des zweiten Schülers. Warum das Leid der Menschen? Und gerade jetzt, wo wir uns stündlich in den Medien die schreckliche Bilder von Corora-Erkrankten und –Sterbenden überall sehen. Ich denke an die Menschen, die in den Geschäften, Läden, in kleinen und mittleren Betrieben arbeiten und mit Sorgen in die kommende Wochen blicken und fragen, wie es wohl dann weitergeht? Wir sagen doch oft: Gott ist doch gut. Aber dennoch gibt es Schmerz und Trauer in unserem Leben. Bei Jesus war es nicht anders. Denken wir an den Text des Propheten Jesaja: "Das ist wahr: Er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen" (Jes 53,4). Gott leidet mit uns, wenn wir leiden. Auf die Frage nach dem Leid und dem Bösen im Leben, gibt es nur eine Antwort, die lautet: dieser Jesus am Kreuz, der leidet und stirbt und sich mit den Menschen in Trauer, im Leiden und im Tod solidarisiert.

- Wer an mich glaubt, der wird lachen, sagte der dritte Schüler. Hat er eigentlich nicht recht? Lachen kommt von Ostern her. Die Osterbotschaft sagt uns: Wir haben etwas zu lachen, auch im Angesicht offener Gräber. "Ihr aber seht mich, weil ich lebe und weil auch ihr leben werdet“ (Joh 14,19), sagt der Auferstandene. Dieser Satz trägt meinen Glauben, damit wir nicht resignieren und hoffnungslos werden.

Ich wünsche allen, die wir zu Hause Ostern feiern, dass wir im Glauben an den auferstandenen Herrn laufen können, damit wir neue Wege gehen können, dass wir auch im Leiden uns immer von dem getragen wissen, dass er im Leben in Freude und Leid, im Trauer und Hoffnung mit uns geht; dass wir lachen können, weil er uns den Grund zur Freude schenkt; dass wir leben können, weil er uns durch sein Leiden, Tod und Auferstehung das ewige Leben, das Leben in Fülle geschenkt hat. 

Gesegnete Kartage und hoffnungsvolle Ostern. 

Pfr. Phan, kath. Kirche Heilig Kreuz, Birkenfeld mit Engelsbrand, Neuenbürg und Straubenhardt.